Apr
11
2009
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Geocaching auf Mallorca

Wer in Deutschland cachen geht, hat sich in der Regel eine bestimmte Vorgehensweise angewöhnt. Meisst sowas wie Cache(s) aussuchen, mit dem Navi zur Start- oder Parkplatzkoordinate fahren, GPS mit Topo-Karten rausholen und los geht’s – immer den Wanderwegen und der Beschreibung folgen, es sei denn es geht nicht anders.

Wer nun im Ausland Cachen geht, wird mit dieser Vorgehensweise auf vielerlei Probleme stoßen. Diese Erfahrung haben wir zuletzt bei unserem einwöchigen Aufenthalt auf Mallorca gemacht. Zum einen sollte einem klar sein, dass man nur wirklich umfangreich cachen kann, wenn man entsprechend mobil ist. Ein Leihwagen oder Fahrrad ist also pflicht.

Das Navigieren auf der Insel entwickelt sich zu einer besonderen Herausforderung. Aktuelle Straßenkarten (Stand 2008) weisen dermaßen viele Fehler auf, dass man sich aufs Navi kaum noch verlassen kann. Da gibt es nicht nur Straßen, die nicht eingezeichnet sind, sondern – was viel schlimmer ist – eingezeichnete Straßen, die gar nicht existieren. Und das ist uns nicht nur einmal passiert. Auf Mallorca werden übrigens vornehmlich Kreisverkehr-Kreuzungen  gebaut. Aussagen des Navis wie “dritte Ausfahrt” darf man hier keineswegs trauen. Man sollte mit einem Auge am Display kleben und genau hinschauen. Zudem muss man immer darauf gefasst sein, plötzlich durch Orte zu kommen, die mit dem Auto kaum passierbar sind. Oder durch Serpentinen geschickt zu werden, die ebenfalls schwer passierbar sind. Autofahren kann dann schnell in richtigen Stress ausarten. Unser Tipp: Vorher gut informieren, besonders wenn man in die bergige West- und Nordwestküste fährt! Eher den Schildern als dem Navi vertrauen.

Wer nun glaubt mit aktuellen Topo-Karten ginge es ihm Vor-Ort (oder gar auf der Straße) besser, der täuscht sich gewaltig. Die aktuellen Topo-Karten von Garmin z.B. haben erstmals – und das ist wohl eine Errungenschaft – die Küstenlinie der Insel überhaupt eingezeichnet. Korrekte Straßen findet man auf den Karten nur sporadisch, Wanderwege fast nie. Auch die Darstellung unterscheidet sich bei diesen Karten deutlich von den deutschen Topos.  Was einigermaßen verlässlich ist, sind die Höhenlinien.

Was die Caches angeht, so wurden diese häufig von Touristen gelegt, die die Wartung einem der ortsansässigen Geocacher überlassen – oder dies zumindest behaupten. Hier ist also ein Blick in die Logs dringend anzuraten, um festzustellen ob die Dose evtl. gar nicht mehr da ist.

Es gibt eine kleine Anzahl T1/D1-Mikros in Palma, die man an einem Regentag, oder wenn man eh mal die Stadt besichtigen will, ruhig mitnehmen sollte. Sie zeigen einem die eine oder andere schöne Stelle. Weiterhin findet man viele T2,5/Small Behälter an der Süd- und Ostküste, häufig an Steilhängen oder etwas schwer zugänglicheren Stellen. Dem T2,5 kann man hier unserer (noch bescheidenen) Erfahrung nach glauben. Diese Caches bieten einem meisst eine schöne Aussicht über das Meer und eine Möglichkeit, Coins+TBs loszuwerden. Leider ist der Abstand dieser Caches entlang der Küste mit 3-7km relativ groß, weswegen man eine Küstentour mit dem Fahrrad machen sollte. Im Landesinneren gibt es hier und da mal Mikros an den Landstraßen, die einem eine alte Ruine, historische Windmühlen o.ä. zeigen.

Die wirklich spannenden Caches befinden sich im Westen (um die Regionen Andradtx, Soller) und an der bergigen Nordküste. Hier ist die Hinfahrt über die Serpentinen schon oft eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Wer hier T2,5-Wertungen sieht, sollte das nicht unbedingt glauben. Hier kann man eigentlich durchweg mit mindestens 3-3,5 rechnen, schon allein wegen der exponierten Lage! Die Sonne kann bei diesen Bergtouren sicher zu einem Problem werden, also auf jeden Fall genug Wasser mitnehmen, Kopf bedecken und eincremen. Belohnt wird man auch hier durch wunderschöne Landschaften. Bei Regen oder Regengefahr sollte man diese Touren auf keinen Fall machen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das spanische Wegerecht. Wir sind es in Deutschland gewohnt, dass Wälder, Felder, Berggipfel und Bauernhöfe frei passierbar sind. Das Deutsche Wegerecht garantiert dies. In Spanien ist das anders: Hier können auch Waldwege und Berggipfel Privateigentum sein und somit gilt: Betreten verboten. Auf entsprechende Schilder achten, und Tore (auch wenn diese Offen stehen oder keine Türen haben) nicht einfach passieren! Wir sind z.B. versehentlich bei GC1A1GP auf Privatbesitz gelandet, weil wir der Beschreibung für den Rückweg nicht korrekt gefolgt sind. Wir fanden eine Abkürzung, und von der Rückseite war das Privatgrundstück nicht mehr eingezäunt. Wir wurden freundlich, aber bestimmt, des Grundstücks verwiesen.

Ich spreche hier keine Empfehlungen für die Bergtouren aus. Ein entsprechend erfahrener Geocacher muss da schon selbst zurecht kommen. Für alle, die ein paar schöne Stellen sehen wollen, ohne gleich in die Berge zu müssen, hier ein paar Tipps:

  • GCTGD4 (PhyllisCach) – Eine sehr schöner “archäologischer Park” auf einem Hügel, der einen auf knapp über 250m Höhe bringt. Die Anlage ist im Frühling wunderschön und sehr naturbelassen. Der Aufstieg ist relativ einfach (Trampelpfade und grobe Steinstufen), der Cache liegt an einer spannenden, aber noch relativ ungefährlichen Stelle. Parken am Zugangspunkt ist problemlos möglich (Parplatz-Koordinate beachten). Man findet in Blickrichtung des Hügels neben einem Wohnhaus einen kleinen Trampelpfad mit einem Verbotsschild. Dies ist der korrekte Zugang. Das Schild weist lediglich auf eine Zone Verde – Grüne Zone – hin. Es wird das wegwerfen von Müll etc. verboten.
  • GC1A1GP (Puig des Cornaor) – Ein etwas anspruchsvollerer Aufstieg auf etwa 300m Höhe auf den nordöstlich von Andratx gelegenen Puig des Cornaor. Die Anfahrt und Parken ist unproblematisch. Man sollte der Wegbeschreibung und den Wegpunkten ganau folgen – auch auf dem Rückweg – sonst landet man auf Privatbesitz. Die letzten 100m sind eher T3,5. Man muss etwa Knie-Hüfthofe Felsen erklettern. Man wird mit wunderschöner Aussicht über Andratx belohnt.
  • GCZQEK (Castell de Bellver) – Ein Besuch im Castell Bellver lohnt sich. Das eindrucksvolle Gemäuer ist gut mit dem Auto erreichbar. Der Eintritt beträgt 2,50€ (2009). In der Burg befindet sich eine kleine Ausstellung über den Bau der Burg und die Geschichte Mallorcas. Man hat eine tolle Aussicht über Palma und den Hafen. Der Cache gibt einem kleine Fotorätsel auf (unbedingt ausdrucken und mitnehmen) und befindet sich in einem schönen Grüngebiet etwas abseits vom Schloss.
  • GCRYN4 (Mac-X 1) – in der Cachebeschreibung steht noch, dass man Mac-X hier treffen könne. Dies ist leider nicht mehr der Fall – der Gute ist wohl umgezogen.  Dafür trifft man an Stage 1 eine sehr charmante belgische Familie, die hier ein Café betreiben und einem wertvolle Tips zum Cache und zu Mallorca geben können. Also ruhig mal hinsetzen und Kaffeplausch halten. Nebenbei lernt man noch den Ort Paguera (oder Peguera, die Spanier sind sich uneins) kennen und erwandert einen kleinen, aber sehr schönen Hügel mit toller Aussicht.

Dies ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs (z.Zt. sind 211 Caches auf Mallorca gelistet) und es handelt sich, wie gesagt, um die eher etwas leichteren Urlaubscaches für zwischendurch. Viel Spaß bei Eurem nächsten Mallorca-Aufenthalt!

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Geschrieben von in: Geocaching allgemein |

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